Familienalbum – aus dem Leben der Görlitzer Juden mit Lauren Leiderman
Vor einem Jahrhundert waren Juden in Görlitz angesehene und engagierte Bürger der Stadt. Ihre Alltagskultur war vor allem – deutsch.
Die Wahl-Görlitzerin Lauren Leiderman hat zu vielen Nachfahren jüdischer Familien aus Görlitz Kontakt aufgenommen. Ende Juni werden Familien aus vielen Ländern nach Görlitz reisen – in die Heimat ihrer Großeltern. An jedem zweiten Dienstag im Monat stellt Lauren Leiderman eine Familie vor. Sie zeigt Bilder aus dem Familienalbum und öffentliche Zeitdokumente.
Heute: Familien Familien Freundlich und Miodowski
Ihre Geschichte beginnt buchstäblich mit Licht. Salomon Freundlich kam Ende des 19. Jahrhunderts aus dem heutigen Polen nach Görlitz und half bei der Elektrifizierung der Stadt, indem er Gasbeleuchtung installierte und später das neue Zeitalter der Elektrizität begrüßte. Zusammen mit seiner Frau Rosa, geborene Miodowski, betrieb er ein bekanntes Geschäft für Lampen und Elektrogeräte in der Berliner Straße – eine Adresse, die noch immer ein stiller Zeuge des einst blühenden jüdischen Geschäftslebens in Görlitz ist.
Hinter diesem Bild von Stabilität und Erfolg verbirgt sich jedoch eine Geschichte von bemerkenswerter Tragweite und verheerendem Bruch. Die Familien Freundlich und Miodowski brachten Elektriker und Unternehmer, Sozialarbeiter und Wissenschaftler hervor – Menschen, die das moderne Leben auf eine Weise mitgeprägt haben, wie es sich kaum jemand hätte vorstellen können. Ein Sohn sollte später zu Technologien beitragen, die das 20. Jahrhundert prägten; eine andere Generation baute Unternehmen auf, setzte sich für Arbeiter ein und widmete ihr Leben dem öffentlichen Dienst.
Dann kam der Zusammenbruch.
Was folgte, war nicht eine einzige Flucht, sondern viele: Eigentum wurde enteignet, Leben zerstört, Familien über Kontinente verstreut. Einige flohen frühzeitig. Andere wurden inhaftiert, ins Exil gezwungen oder überlebten nur knapp durch außergewöhnliche Mut und Zufall. Am Ende des Krieges waren ganze Zweige der Familie verschwunden – während diejenigen, die überlebten, Görlitz mit nach New York, Bolivien, Israel und auf die Philippinen nahmen.
Dieser Abend zeichnet das Netzwerk einer Familie nach, das in der Berliner Straße beginnt und sich bis ins Herz der modernen Wissenschaft, der sozialen Gerechtigkeit und des Exils erstreckt – und zeigt, wie die Geschichte einer Familie Görlitz sowohl die Verheißungen als auch die Kosten der Moderne beleuchtet.
Die Veranstaltung findet in kleinem Rahmen im Ausstellungsraum des Kulturforums statt. Maximal 25 Plätze stehen zur Verfügung. Wir bitten um eine vorherige Anmeldung per Mail: kira.rohloff@kultur-goerlitz.de.
Kulturforum Görlitzer Synagoge
Otto-Müller-Straße 3
02826 Görlitz
Die Veranstaltung findet in kleinem Rahmen im Ausstellungsraum des Kulturforums statt. Maximal 25 Plätze stehen zur Verfügung.
Wir bitten um eine vorherige Anmeldung per Mail: kira.rohloff@kultur-goerlitz.de.